ARBEITSBEDINGUNGEN RATGEBER: SO KÖNNEN SIE VERBESSERT WERDEN

Was fällt unter der Begriff „Arbeitsbedingungen“?

Unter dem Begriff der allgemeinen Arbeitsbedingungen versteht man alle Sachverhalte, die im Produktions- bzw. Arbeitsprozess auftreten. Diese Bedingungen, die einseitig vom Arbeitsgeber aufgestellt werden. Sie sind standardisiert und für alle Angestellte oder eine Gruppe von ihnen gültig. Die vertragliche Regelung der Arbeitsbedingungen kann unterschiedlich zustande kommen, z. B. durch einen Vertrag oder eine Gesamtzusage des Arbeitgebers.

Die Arbeitsbedingungen beeinflussen die Arbeitsergebnisse und die Mitarbeiter, z. B. in Form von Belastung. Auch die allgemeinen Arbeitsbedingungen müssen auf ihre Inhalte kontrolliert werden. Einige Kriterien sind dabei die Ausführbarkeit der Arbeit, die Freiheit von Beeinträchtigungen oder die Förderung der Persönlichkeit.

Gesetzliche Vorgaben

In Deutschland wird das Arbeitsrecht durch mehrere Gesetze geregelt. Dazu gehören das Arbeitszeitgesetz oder die Entgeltfortzahlung, aber auch das Bundesurlaubsgesetz. Neben diesen Gesetzen beeinflussen auch Tarifverträge die Arbeitsbedingungen.

Teil der so behandelten Arbeitsbedingungen sind alle Aspekte, welche das Beschäftigungsverhältnis betreffen: Die maximale erlaubte Arbeitszeit, notwendige Pausen oder die Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Ebenso regeln die jeweiligen Gesetze die Aspekte Gehalt und Sonderzahlungen sowie die Rechte der Arbeitnehmer im Falle von Krankheiten, Urlaub oder Feiertagen. Nicht zuletzt sind auch Kündigungen und der Schutz davor gesetzlich festgehalten. Die vollständige Liste aller aktuellen Gesetzestexte ist entsprechend lang.1

Ein Beispiel für eine gesetzlich geregelte Belastung der Arbeitnehmer ist die Hitze am Arbeitsplatz. Während das Arbeitsschutzgesetz die Arbeitgeber in die Pflicht nimmt, unerträgliche Temperaturen am Arbeitsplatz zu verhindern oder möglichst gering zu halten, definiert die Arbeitsstättenverordnung gemeinsam mit den Arbeitsstättenregeln, welche Raumtemperaturen zumutbar sind: Gemäß § 3a ArbStättV in Verbindung mit Ziffer 3.5 ihres Anhangs sollen Arbeitgeber ab 26° Celsius im Gebäude wirksame Maßnahmen gegen die Hitze ergreifen. Ab 30° Celsius müssen Arbeitgeber Maßnahmen gegen die Hitze ergreifen.

Das Entgeltfortzahlungsgesetz wiederum regelt die Zahlung des Gehalts der Arbeitnehmer an gesetzlichen Feiertagen und im Krankheitsfall. Dies schützt die Arbeitnehmer vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten aufgrund von Arbeitsunfähigkeit, wenn diese durch nicht selbst verschuldete Krankheiten bedingt ist.2

Das Kündigungsschutzgesetz sichert ebenfalls die wirtschaftliche Sicherheit der Arbeitnehmer, indem diese vor willkürlichen und nicht gerechtfertigten Kündigungen geschützt werden.3

Der Schutz der Arbeitnehmer ist durch die große Bandbreite dieser Gesetze sehr stark. Die Gesetze bilden ein gutes Sicherheitsnetz, das den Beschäftigten ermöglicht, ohne Sorge ihren Beruf auszuüben und dabei auch ihre eigenen Interessen anzubringen.

Arbeitsbedingungen in Deutschland

Im Vergleich zu anderen Ländern steht Deutschland sehr gut da. Dies geht sehr deutlich aus einem Vergleich der Kernarbeitsnormen der G20-Länder hervor. Diese Kernarbeitsnormen sollen weltweit die Grundrechte der Beschäftigten sichern, indem sie z. B. Kinderarbeit oder die Diskriminierung am Arbeitsplatz verbieten.

Während Deutschland wie auch Frankreich eine Ratifizierung in allen acht aufgeführten Punkten hat, trifft dies im Fall von China nur auf die Hälfte der Punkte zu. Für die Punkte der Vereinigungsfreiheit, Kollektivverhandlungen, Zwangsarbeit und der Abschaffung derselben liegen keine Ratifizierungen vor. Die USA sind sogar nur in den Aspekten der Abschaffung der Zwangsarbeit und der Kinderarbeit ratifiziert.4

Diese Angaben gehen nicht in die Tiefe und können nicht ohne weiteres als Maß für die realen Arbeitsbedingungen verwendet werden. Sie zeigen aber eindrücklich, wie die G20-Staaten zu den Kernarbeitsnormen und ihrer Umsetzung stehen.

Im Vergleich der Urlaubs- und Feiertage liegt Deutschland im Mittelfeld. Hier haben die Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf 20 Urlaubstage. Hinzu kommen 10 Feiertage, wobei es je nach Bundesland Unterschiede gibt.

In Frankreich, Finnland und Brasilien haben die Arbeitnehmer Anspruch auf 30 Urlaubstage bei zusätzlichen 10 oder 11 Feiertagen, während die Arbeitnehmer in Kanada mit 10 Urlaubs- und 9 Feiertage noch hinter China liegen. Hier stehen den Beschäftigten neben 10 Urlaubstagen 11 Feiertage zu.5

Bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit liegen deutsche Arbeitnehmer mit durchschnittlich 40,3 Wochenstunden knapp hinter dem Durchschnittswert der EU-Staaten von 40,2 Stunden. Am meisten arbeiten die britischen Beschäftigten mit 42,1 Wochenstunden, während die Arbeitsbelastung in Dänemark bei 37,8 Wochenstunden liegt. 6

Kinderarbeit betrifft nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit 152 Millionen Kinder in 196 Ländern. Deutschland findet sich nicht auf der Liste dieser Länder, wohl aber China, Bangladesch oder Äthiopien.7

Diese Vergleiche mit anderen Ländern zeigen sehr deutlich, dass auch wenn es in Deutschland noch Verbesserungspotential gibt, die Arbeitnehmer im Vergleich zu vielen anderen Ländern eine sehr gute Position haben. Sie profitieren von den guten Arbeitsbedingungen und haben die Möglichkeit, gegen schlechte Bedingungen vorzugehen.

Wie können Mitarbeiter selbst ihre Arbeitsbedingungen verbessern?

In Deutschland werden die Arbeitnehmer darin unterstützt, ihre Rechte wahrzunehmen und durchzusetzen. Auch bessere Arbeitsbedingungen haben eine gute Chance, umgesetzt zu werden. Wenn die vorhandenen Bedingungen bereits den gesetzlichen Rahmenrichtlinien entsprechen, bewirken Arbeitnehmer mit dem nötigen Taktgefühl sehr oft dennoch eine Verbesserung. Im Idealfall besteht auf Seiten der Angestellten und des Betriebs der Wunsch nach einer stetigen Verbesserung. Gute kommunikative Fähigkeiten und Empathie sind ebenso von Nöten.

Im Fokus steht dabei, genau festzuhalten, was erreicht werden soll. Werden Schwierigkeiten angesprochen und direkt gut umsetzbare Lösungsmöglichkeiten genannt, erhöht dies die Bereitschaft die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Wichtig ist dabei, dass beide Parteien die Bedürfnisse der anderen im Blick behalten.

Hervorzuheben, dass alle Beteiligten von der vorgeschlagenen Änderung profitieren, ist ein guter Weg zum Erfolg. Sehen z. B. manche Vorgesetzte in einer vom Betrieb unterstützten Mitgliedschaft im Fitnessstudio zuerst keinen Nutzen für das Unternehmen, können die Vorteile davon schnell überzeugen: Eine bessere Fitness senkt die Fehlzeiten durch Krankheit und die dadurch entstehenden Kosten. Zugleich steigen die Zufriedenheit und damit die Motivation der Mitarbeiter.

Gleiches gilt für das Arbeiten im Homeoffice: Die Abgeschiedenheit der eigenen vier Wände ermöglicht ein konzentriertes Arbeiten, während der Arbeitnehmer zugleich sehr gut erreichbar ist. Da kein Weg zur Arbeitsstelle anfällt, kann er entspannter und ausgeruhter mit der Arbeit beginnen. Und nicht zuletzt fühlen viele sich zuhause wohler. Dies wirkt sich positiv auf die Qualität ihrer Leistung aus.

Wie können Unternehmen ihre Arbeitsbedingungen verbessern?

Gute Arbeitsbedingungen sind nicht nur für die Beschäftigten wichtig. Auch die Unternehmen haben ein Interesse daran, diese arbeitnehmerfreundlich zu gestalten. Von den gesetzlichen Ansprüchen für zumutbare Arbeitsbedingungen abgesehen ermöglichen erst diese eine produktive und motivierte Arbeit. Es ist daher lohnenswert, über das vom Gesetzgeber geforderte Mindestmaß hinauszugehen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter wo möglich entgegenzukommen.

Ein erster und wichtiger Schritt ist dabei der Austausch mit den Beschäftigten. Da die Arbeitsbedingungen sich direkt auf ihre Beschäftigung auswirken, sind für effektive Änderungen unbedingt ihre Erfahrungen notwendig. Gleichzeitig ist es sinnvoll, den Beschäftigten Möglichkeiten aufzuzeigen. Im gegenseitigen Austausch können wirkungsvolle Ansätze entwickelt werden, welche die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern.

Ein Forschungsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ist eine gute Richtschnur, welche Bereiche den Arbeitnehmern wichtig sind. Bewertet wurden 15 Aspekte, denen die Befragten eine Relevanz zuweisen. Die Spitze der entstandenen Auflistung bilden dabei die Sicherheit des Arbeitsplatzes und ein angemessenes Gehalt. Aber auch die zwischenmenschlichen Aspekte am Arbeitsplatz werden als sehr relevant wahrgenommen. Gleiches gilt für die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten auszubauen und eine angemessene Anerkennung für erbrachte Leistung zu erhalten. Zunehmend wichtiger wird die gewünschte Flexibilität, um Familie und Beruf vereinen zu können.

Bei der Bewertung des Vergleichs der angegebenen Wichtigkeit einzelner Faktoren und der Zufriedenheit mit dem Ist-Zustand zeigt sich, wo Unternehmen nachbessern können. So wird ein sicherer Arbeitsplatz zwar als sehr wichtig angegeben, während in der erlebten Realität die Zusammenarbeit mit netten Menschen am stärksten wahrgenommen wird. Die größte Diskrepanz tritt dabei beim Lohn auf: Mit 90,6 von 100 Punkten wird das Gehalt als sehr wichtig angegeben, bei der Zufriedenheit mit dem tatsächlichen Gehalt wird nur ein Wert von 67,3 erreicht. 8

23,1% der Befragten waren Arbeiter/innen. Ein großer Teil der Testgruppe waren Angestellte, deren Verantwortungsbereich in ihrem Beruf von ausführenden Tätigkeiten bis hin zu Führungsaufgaben reichen. 28% der Befragten hatten eine Position als Vorgesetzte inne. 27,3% der Teilnehmer arbeiten in Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten. 37,2% der Befragten sind Teil von Betrieben mit 20 – 199 Angestellten, während 35,4% in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten arbeiten. Mit 52,2% ist über die Hälfte der Studienteilnehmer länger als 20 Jahre erwerbstätig. Zwei Drittel von ihnen verdienen jährlich bis zu 35.000€, während ein Drittel ein Gehalt von 36.000€ oder mehr bezieht.

Somit wurde eine große Bandbreite von Beschäftigten befragt. Nicht unterschieden wurde allerdings nach Branchen. Ebenso wurden nur die zu bewertenden Aspekte zur Auswahl gestellt, nicht aber Informationen gesammelt inwieweit sich die Bedürfnisse der Arbeitnehmer abseits dieser 15 Bereiche gestalten.

Fazit

Unternehmen haben nicht nur aus gesetzlicher Sicht ein Interesse daran, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Da diese auf verschiedenen Wegen direkt auf die Arbeit der Beschäftigten auswirkt, sind gute Arbeitsbedingungen ausschlaggebend. Auch langfristig profitieren Unternehmen davon: Motivierte und zufriedene Arbeitnehmer werden seltener krank und wechseln seltener den Job.

Deutschland steht im Vergleich zu anderen Ländern sehr gut da, was die durchschnittlichen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten angeht. Dennoch besteht noch immer Verbesserungspotential. Dies sollte von Arbeitgebern insbesondere als Chance betrachtet werden. Gegenüber anderen Unternehmen ist es ein Wettbewerbsvorteil, proaktiv Maßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen zu ergreifen.


Quellen:

  1. Eine Übersicht über Gesetze, die Arbeitsrecht behandeln, finden Sie hier: https://www.arbeit-und-arbeitsrecht.de/gesetzestexte ↩︎
  2. Einsehbar unter: http://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/ ↩︎
  3. Einsehbar unter: http://www.gesetze-im-internet.de/kschg/ ↩︎
  4. Heinrich-Böll-Stiftung: Arbeitsbedingungen und ILO-Kernarbeitsnormen in den G20 Ländern im Vergleich, URL: https://www.boell.de/de/g20-infografik-arbeitsbedingungen-ilo-vergleich, abgerufen am 10.10.2018 ↩︎
  5. o.V.: Gesetzlicher Urlaubsanspruch: Deutschland Schlusslicht in Europa, in Mercer Blog, 13.10.2009, URL: https://web.archive.org/web/20091017212915/http://www.mercer.com/referencecontent.htm?idContent=1360495, abgerufen am 10.10.2018 ↩︎
  6. eurostat: Average number of usual weekly hours of work in main job, by sex, professional status, full-time/part-time and economic activity (from 2008 onwards, NACE Rev. 2) – hours, 4.10.2018 URL: https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/-/DDN-20180125-1?inheritRedirect=true, abgerufen am 10.10.2018 ↩︎
  7. o.V.: Global estimates of child labour: Results and trends, 2012-2016, Genf: ILO 2017 ↩︎
  8. Nübling, Matthias et al.: Gewünschte und erlebte Arbeitsqualität. Abschlussbericht, Freiburg: BMAS 2015, S. 27 ↩︎

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