Abnehmen oder Bewegung: Was hilft wirklich bei Adipositas?

Definition und Epidemiologie

Bei Adipositas handelt es sich um eine Essstörung, die auch als Fettsucht bezeichnet wird. Essstörungen gehören zu den sogenannten stoffungebundenen bzw. nicht-stofflichen Süchten (z.B. Spielsucht und Kaufsucht), die sich von den stofflich gebundenen Süchten (z.B. Alkohol und Drogen) unterscheiden. Adipositas lässt sich objektiv durch den Body-Mass-Index (BMI) berechnen und bestimmen, was die Grundlage zu einer entsprechenden Diagnose darstellt. Der BMI lässt sich in folgende Bereiche aufteilen: Kritisches Untergewicht (alle Werte unter 17,5), Untergewicht (alle Werte von 17,5 bis 20), Normalgewicht (alle Werte von 20 bis 26), leichtes Übergewicht (alle Werte von 26 bis 31) und Übergewicht (alle Werte über 31). Bei Letzterem spricht man von Adipositas, wobei jedoch auch anzumerken ist, dass ein hoher BMI nicht zwangsläufig auf eine Fettsucht hindeuten muss. Schließlich gibt es einige Sportler, die aus beruflichen Gründen einen eher hohen Body-Mass-Index aufweisen und trotzdem einen gesunden Lebensstil pflegen. Die Fettsucht ist als Krankheit anerkannt worden und wird dementsprechend im ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) aufgeführt (E66). In Deutschland sind aktuelle Zahlen besorgniserregend: Momentan sind hierzulande ca. zwei Drittel der Männer (67 %) und mehr als die Hälfte der Frauen (53 %) übergewichtig, davon ein Viertel (Männer: 23 % / Frauen: 24 %) adipös.

Ursachen

Die Ursachen für Adipositas sind vielseitig und können sowohl physische als auch psychische Hintergründe haben. So ist es beispielsweise kein Zufall, dass dieses Krankheitsbild vor allem in Industriestaaten auftritt, die ungesunde und mit Geschmacksverstärkern hergestellte Lebensmittel produzieren, die darüber hinaus auch noch permanent verfügbar sind. Die Allgegenwärtigkeit von Convenience-Food und Fast-Food sorgt aufgrund ihrer extrem hohen Versorgungsdichte (z.B. durch Imbissbuden, Dönerläden und Pizzerien) für ein Überangebot, das dadurch verstärkt wird, dass sogar die Lieferung der favorisierten Lebensmittel inzwischen gänzlich durch Dritte erfolgen kann. Auf diese Art und Weise kann sich ein ungesunder Lebensstil nicht nur etablieren, sondern auch potenzieren, da sich die ungesunde Ernährung durch den gleichzeitigen Bewegungsmangel festigt. Daraus lässt sich außerdem ableiten, dass die Wohnsituation ebenfalls Einfluss auf das Ernährungsverhalten hat, da es in einer Großstadt wesentlich vielseitigere und schnelle Möglichkeiten gibt, an Nahrung zu kommen. Faktoren wie Schlafmangel, Stress und Begleit- bzw. Vorerkrankungen (z.B. Depressionen oder Stoffwechselerkrankungen) können sich ebenfalls negativ auf den Körper auswirken und Adipositas begünstigen. Aus psychischer Sicht liegt die Ursache der Fettsucht in einem Ersatz für nicht erfüllte emotionale Bedürfnisse, die eine exzessive Essstörung forcieren. Ferner ist anzumerken, dass die Einnahme von bestimmten Medikamenten (z.B. Antidepressiva) unter Umständen ebenfalls ein verstärkender Faktor sein kann. Außerdem neigen beispielsweise Menschen mit dem sogenannten Down-Syndrom (Trisomie 21) verstärkt zu Adipositas, da diese Form der geistigen Behinderung auch körperliche Einschränkungen mit sich bringt (z.B. angeborene Herzfehler, ausgeprägte Beckenmuskulatur, Bewegungseinschränkungen).

Öffentlicher Umgang und Prävention

Wie in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren, als Kampagnen zur Eindämmung des Rauchens gestartet wurden, hat es auch bei der Fettsucht ein wenig gedauert, bis der öffentliche Diskurs sie als Krankheit bzw. schädliche Sucht anerkannt und entsprechende Präventivmaßnahmen eingeleitet hat. Mittlerweile wird wesentlich stärker darauf geachtet, dass potentielle Probanden bereits im Vorfeld über alle gesundheitlichen Risiken aufgeklärt werden. Vor allem in Kindergärten und Schulen lässt sich das beobachten: Hier gibt es vermehrt Unterrichtseinheiten, in denen der Fokus auf eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung gerichtet wird. Spiel und Bewegung sind sowohl für die physische als auch für die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen notwendig. Wenn jemand bereits adipös ist, kann man als außenstehende Person nur bedingt etwas unternehmen, weshalb eine ärztliche Betreuung unumgänglich ist. Die Unterstützung durch Freunde und Verwandte kann hierbei nur im geringem Maße erfolgen, zum Beispiel indem man betroffene Personen an ärztliche Termine oder Trainingseinheiten erinnert, die Behandlung regelmäßig kontrolliert und keine Schritte unternimmt, die für die adipöse Person zum Nachteil sind.

Behandlung und Gegenmaßnahmen

Für eine anhaltende Gewichtsabnahme ist es natürlich entscheidend, die Verringerung der Energiezufuhr langfristig durchzuhalten. Allerdings können ein vitaler Lebensstil, ein gezieltes Trainingsprogramm und körperliche Aktivität auch ohne Gewichtsreduktion die gesundheitlichen Risiken von Adipositas reduzieren. Zu den gesundheitlichen Risiken von Fettsucht gehören unter anderem Bluthochdruck bzw. Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, Arteriosklerose und verschiedene Krebsarten. Es wurde festgestellt, dass adipöse Menschen von diesen Krankheitsbildern wesentlich häufiger betroffen sind als Menschen mit einem normalem BMI. Darüber hinaus wurde sogar nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen der seelischen Komorbidität und Übergewicht gibt. In manchen Ländern wurden bei adipösen Menschen außerdem mehr psychosoziale Probleme (z.B. Angststörungen oder Depressionen) nachgewiesen als bei schlanken oder normalgewichtigen Personen.
Wie anfangs erwähnt, muss ein hoher Body-Mass-Index nicht bedeuten, dass die entsprechende Person fettleibig oder gar adipös ist, da Menschen, die viel trainieren und dementsprechend viel Muskelmasse aufbauen, ebenfalls einen hohen BMI haben können. (Das hat den Grund, dass Muskelmasse wesentlich schwerer ist als Körperfett.) Diäten sind zwar hilfreich und in manchen Fällen auch unumgänglich, aber da der Körper hierbei neben Muskelmasse und Wasser auch wichtige Vitamine, Mineralien und Spurenelemente verliert bzw. abbaut, kann es passieren, dass man sozusagen am falschen Ende abnimmt. Aus diesem Grund kann es mithilfe von regelmäßigem körperlichen Training gelingen, die grundlegendsten Risikofaktoren zu verbessern, ohne dass hierbei eine signifikante Gewichtsreduktion verzeichnet wird. Zumal man dieses Ziel wesentlich leichter anpeilen und verfolgen kann als eine individuell auf den Körper zugeschnittene Diät, die nur bedingt beim Abnehmen helfen. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer betroffenen Person ein effektives Training empfohlen wird, ist laut Studien doppelt so groß wie die Wahrscheinlichkeit, ein vorgegebenes Gewichtsziel zu erreichen und in der Folge zu halten. Nach einer reinen Gewichtsdiät lässt sich häufig der sogenannte „Jo-Jo-Effekt“ beobachten, der eine unüblich schnelle Gewichtszunahme bedeutet. Ein gezieltes Training trägt nur bedingt zur Gewichtsreduktion bei, hat aber dennoch eine eindeutig nachgewiesene positive Auswirkung auf den Zustand des gesamten Körpers und damit auch auf die Lebenserwartung der betroffenen Person. Körperliche Aktivität sorgt dafür, dass Glückshormone wie Dopamin und Endorphin ausgeschüttet werden und lange nachwirken, wodurch man sich automatisch besser fühlt. Studien zufolge reicht es bereits aus, 20 Minuten locker zu laufen, um ein gutes Gefühl zu bekommen. Diese Aspekte müssen in Zukunft definitiv stärker in den Fokus rücken, was vor allem für Gesundheitsberufe gilt (Trainer, Ärzte, Sozialarbeiter, etc.). Die Konzentration darf nicht nur auf der alleinigen Gewichtsabnahme durch Diäten liegen, sondern muss körperliche Aktivität und Training mit einbeziehen. Nur so kann sich die Gesundheit des Probanden auf lange Sich normalisieren.





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