MITARBEITERBINDUNG RATGEBER: GUTE MITARBEITER HALTEN

Definition Mitarbeiterbindung

Unter Mitarbeiterbindung versteht man alle Maßnahmen eines Unternehmens im Rahmen der Personalpolitik, seine Mitarbeiter zu halten und an das Unternehmen zu binden. Insbesondere die Fluktuationsrate qualifizierter und engagierter Mitarbeiter soll gesenkt werden, indem diese sich mit dem Unternehmen identifizieren.

Um die Mitarbeiterbindung zu erhöhen, kommen verschiedene Mittel zum Einsatz, die sich gegenseitig ergänzen, darunter Ansätze das Arbeitsklima zu verbessern, Gesundheitsförderung der Angestellten oder Fortbildungen.

Wie wichtig ist Mitarbeiterbindung?

In Deutschland ist die durchschnittliche Mitarbeiterbindung auf einem niedrigen Stand. Laut einer Studie von der Gallup GmbH hat sich im Zeitraum von 2001 bis 2016 nichts geändert: Nur durchschnittlich 15% der Angestellten empfinden eine hohe Bindung zu ihrem Unternehmen, während rund 70% gerade einmal eine geringe und 15% keinerlei Bindung haben.1

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist diese Stagnation von großem Nachteil für Unternehmen. Eine hohe Fluktuation bedeutet direkte und indirekte Kosten sowohl für den Mitarbeiterverlust als auch die Neueinstellung. Denn neben dem Aufwand, Stellen auszuschreiben und Vorstellungsgespräche zu führen, müssen bis zur Neueinstellung anfallende Aufgaben von anderen Mitarbeitern übernommen und neue Kollegen erst eingearbeitet werden. Das Center for American Progress hat elf Studien verglichen, welche die Kosten der Mitarbeiterfluktuation untersuchten. Abhängig von Branche und zu besetzender Position reichten die Kosten bis auf sehr wenige Ausnahmen von mittleren vierstelligen Beträgen bis in den hohen fünfstelligen Bereich. Für die Position eines Senior-Geschäftsführers („Senior-level executive at a consumer products company“) lagen die Kosten sogar bei 260.000$. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass es für Unternehmen schon aus finanzieller Sicht sinnvoll ist, in die Mitarbeiterbindung zu investieren.2

Neben Kosteneinsparungen wird durch die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen aber auch eine gleichbleibend hohe Qualität der Arbeit sichergestellt. Da die Kunden so eine Beziehung zu den Mitarbeitern aufbauen könne, steigt zudem die Kundenzufriedenheit.

Welche Vorteile hat die Bindung von Mitarbeitern?

Wie bereits aufgeführt, ist der direkte Vorteil einer hohen Mitarbeiterbindung eine geringere Fluktuation im Unternehmen. Neben den direkten und indirekten Kosten, die das Unternehmen dadurch einspart, hat dies weitere positive Nebeneffekte: Eine gute Mitarbeiterbindung führt zu weniger Fehlzeiten in der Belegschaft, wodurch die Produktivität des Unternehmens steigt. Es müssen keine Ausfälle ausgeglichen oder Teams immer wieder neu zusammengestellt werden. Besteht eine Beziehung zwischen den Kunden und einzelnen Angestellten, steigt so die Kundenzufriedenheit.

Gleichzeitig fußt eine hohe Mitarbeiterbindung auf der Zufriedenheit der Mitarbeiter, die sich in ihrem Unternehmen wohl fühlen. Zufriedenheit erhöht wiederum auch die Produktivität und verbessert das gesamte Betriebsklima.

Beispiele für konkrete Maßnahmen und Instrumente zur Mitarbeiterbindung

Nach der Definition der Mitarbeiterbindung kann beinahe alles als Mittel dienen, die Arbeitnehmer mehr an das Unternehmen zu binden. Welche Maßnahme die größte Wirkung erzielt, ist dabei stets vom Einzelfall abhängig, allerdings gibt es deutliche Tendenzen: In einer Umfrage von 2015 gaben z. B. 24,1% der Befragten an, dass die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio am erstrebenswertesten für sie ist.3

Insbesondere vor der Umsetzung größerer Maßnahmen ist es sinnvoll, durch Befragungen herauszufinden, wie die Mitarbeiter zu ihnen stehen, um auch tatsächlich die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu treffen. Zu den wichtigsten Mitteln der Mitarbeiterbindung gehören diese:

  • Die Möglichkeit, (teilweise) im Home Office zu arbeiten.
  • Flexible Arbeitszeiten, die insbesondere Mitarbeitern mit Familie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen.
  • Die Möglichkeit der Teilzeitarbeit.
  • Kinderbetreuung für Angestellte mit kleinen Kindern.
  • Eine gute Kantine, die auch vegetarische Menüs anbietet.
  • Eine kostenlose Verpflegung mit Getränken und gesunden Snacks wie Obst.
  • Aufstiegsmöglichkeiten und die Chance, sich zu entwickeln.
  • Fortbildungen, Schulungen und Coachings, um die eigene Qualifikation zu erhöhen.
  • Die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio
  • Gesundheitskurse und -beratung sowohl für psychische als auf physische Gesundheit.
  • Ein Firmenwagen ist ebenfalls eine wirkungsvolle Maßnahme der Mitarbeiterbindung.
  • Eine faire Entlohnung drückt Anerkennung der Leistung der Mitarbeiter aus.
  • Zuschüsse und Gutscheine sind ebenfalls gute Bindungsfaktoren.
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden von vielen Arbeitnehmern sehr geschätzt.
  • Eine transparente und ehrliche Kommunikation unterstützt ein angenehmes Betriebsklima.
  • Klar kommunizierte und insbesondere gelebte Werte.
  • Eine betriebliche Altersvorsorge gibt den Angestellten Sicherheit.
  • Eine angenehme Arbeitsatmosphäre erhöht die Mitarbeiterbindung und steigert die Produktivität.

Selektive Mitarbeiterbindung

Von selektiver Mitarbeiterbindung ist die Rede, wenn ein Unternehmen sich auf die Bindung besonders wichtiger Mitarbeiter konzentriert. Denn gerade diese High-Performance-Mitarbeiter sind für Unternehmen relevant: In einer Studie wurde nachgewiesen, dass die gesamte Unternehmensleistung von wenigen Top-Performern abhängig ist. Dabei verteilt sich die Leistung gemäß des Pareto-Prinzips von 80:20, da 20 % der beteiligten Personen 80% der Leistung erbringen.4

Für Unternehmen kann es deshalb durchaus effizient sein, sich auf diese Angestellten zu konzentrieren. Denn neben der hohen Leistungsfähigkeit sind High-Performer auch schwerer zu ersetzen, wenn sie das Unternehmen verlassen.

Dennoch ist laut einer Studie weniger als die Hälfte der High-Performer wirklich zufrieden mit ihrer Stelle. Deshalb ist es entscheidend, zu wissen, was diese Mitarbeiter suchen, um sie im Unternehmen zu halten. In der Studie wurde herausgestellt, dass Top-Kräfte ihrem Gehalt und Bonuszahlungen einen höheren Wert beimessen als ihre Kollegen, die weniger Leistung erbringen. Ebenso schätzen sie aber auch regelmäßiges Feedback zu ihrer Leistung und die Möglichkeit, selbstständig Fortbildungen auszusuchen. Und nicht zuletzt sind High-Performer seltener bereit für ihren Beruf umzuziehen.

Veränderungen in der Mitarbeiterbindung: Die Generation Y

Als Generation Y werden die Menschen bezeichnet, die etwa zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Für sie sind andere Faktoren ausschlaggebend für eine Bindung zu ihrem Unternehmen als bei den Generationen vor ihnen. Unternehmen müssen sich darauf einstellen und angepasst Maßnahmen ergreifen, um ihre Top-Kräfte der Generation Y halten zu können.

In einer Studie von 2012 werden Unternehmen dafür mehrere Maßnahmen empfohlen:5 Mitarbeiterbindung beginnt bereits beim Vorstellungsgespräch. Hier ist es wichtig, nicht nur auf die Fähigkeiten von Bewerbern zu achten, sondern auf das Gesamtbild. Damit neue Mitarbeiter sich möglichst gut in das Unternehmen einfügen und zu einem gesunden Betriebsklima beitragen, müssen sie als Menschen zu ihren Kollegen passen. Dabei kann die Barriere zu den Mitarbeitern der älteren Generation durch Mentoring-Programme gezielt abgebaut werden, während zugleich das langjährige Wissen an die jüngeren Mitarbeiter weitergegeben wird.

Gleichzeitig sucht die Generation Y Unternehmen mit einem angenehmen Betriebsklima und gelebten Werten. Auch eine klare Kommunikation des „Wofür“ und „Warum“ ist wichtig, denn die Mitarbeiter dieser Generation wollen mehr als bloße Anweisungen befolgen. Auch die Anerkennung der erbrachten Leistung erhöht die Bindung zum Unternehmen. Diese Anerkennung muss nicht unbedingt monetär sein, auch ein öffentlich ausgesprochener Dank vor dem Team erfüllt diesen Zweck.

Die Möglichkeit, sich fortzubilden und die eigenen Fertigkeiten weiterzuentwickeln, sind entscheidend für die Zufriedenheit der Generation Y, ebenso wie die Einbindung moderner Technologien in die verschiedenen Bereiche des Arbeitsalltags. Dies ermöglicht auch die vielfach gewünschte Flexibilität des Arbeitsplatzes, welche die Generation Y deutlich mehr anstrebt als ihre vorangegangenen Generationen.

Strategien zur Mitarbeitergewinnung

Viele Unternehmen machen den Fehler, zwar den Einstellungsprozess neuer Mitarbeiter gründlich zu planen, jedoch keine Strategie auszuarbeiten, die gewonnenen Mitarbeiter langfristig zu halten. Werden Maßnahmen zur Bindung genutzt, sind diese zudem oft auf Gehaltserhöhungen und Bonuszahlungen beschränkt. Weitere Faktoren werden außer Acht gelassen, obwohl sie einen großen Einfluss auf die Mitarbeiterbindung haben:

Das Gefühl, eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben und mit den eigenen Fähigkeiten etwas beizusteuern, das tatsächlich einen Unterschied für das Unternehmen macht, erschafft Verbundenheit zum Unternehmen. Klar formulierte Ziele, auf die hingearbeitet wird, motivieren zusätzlich. Zudem sind Möglichkeiten für Mitarbeiter, Prozesse aktiv mitzugestalten, sehr wirkungsvoll um die Zufriedenheit zu steigern und sie zu binden.

Eine offene und ehrliche Kommunikation und Feedback unterstützen ein angenehmes Betriebsklima und vermitteln den Angestellten das Gefühl, geschätzt zu werden. Nicht leicht umzusetzen, aber entscheidend ist Loyalität. Da diese nicht erzwungen werden kann, müssen Unternehmen den ersten Schritt gehen und ihren Angestellten gegenüber zeigen, dass sie loyal zu ihnen stehen und sie unterstützen.

Fingerspitzengefühl ist auch dabei gefragt, die eigenen Wettbewerbsvorteile zu kommunizieren. Menschen arbeiten gerne für erfolgreiche Unternehmen, weshalb das klare Hervorheben der eigenen Vorzüge auch die Bindung der Mitarbeiter stärkt. Allerdings ist es ein schmaler Grat, und die Kommunikation sollte nicht in eine Richtung gehen, in der Mitbewerber schlechtgeredet werden.

Beispiele für Mitarbeiterbindungsmaßnahmen

Viele erfolgreiche Unternehmen haben wirkungsvolle Wege gefunden, die eigenen Fachkräfte an sich zu binden. Für andere Unternehmen kann es lohnenswert sein, sich davon inspirieren zu lassen und Funktionierendes zu übernehmen.

Eine wichtige Entwicklung vieler Unternehmen ist es, dass zunehmend weibliche Angestellte in den Punkten Gesundheit und Familienplanung unterstützt werden. Dies reicht von finanzieller Unterstützung über die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten bis zu einem erleichterten Wiedereinstieg nach der Geburt. Doch es gibt noch weitere Beispiele für erfolgreiche Mitarbeiterbindung:

Der Tech-Gigant Google bietet seinen Angestellten im Firmensitz alle möglichen Freizeitaktivitäten und kreativen Freiräume, inklusive Sportangeboten wie einem Fitnesscenter. Die Rechnung scheint aufzugehen, denn kaum jemand möchte ein solches Unternehmen verlassen. Das Unternehmen Buffer setzt währenddessen auf Transparenz und veröffentlicht alle Gehälter der Angestellten im Internet. Und Location Lab gewinnt über die Hälfte seiner Angestellten über Empfehlungen und nutzt ein dichtes Netzwerk, in dem Angestellte auch privat eingebunden sind.

Siemens bietet seinen Mitarbeitern ein umfangreiches Programm, um sie an sich zu binden. Dabei werden verschiedene Bereiche aufgegriffen und die Mitarbeiter ganzheitlich angesprochen: Neben Entwicklungsmöglichkeiten und einer leistungsgerechten Vergütung werden auch die Gesundheit der Angestellten und eine gute Balance zwischen Berufs- und Privatleben bedacht.

Auch BMW bietet seinen Mitarbeitern ein so umfangreiches Programm. Neben der Altersvorsoge wird z. B. auch auf das Gleichgewicht von Berufs- und Privatleben und die Gesundheitsvorsorge und Fitness der Angestellten geachtet.

Fazit

Unternehmen können es sich kaum leisten, gute Mitarbeiter zu verlieren. Eine hohe Fluktuation geht mit vielen Nachteilen und direkten wie indirekten Kosten einher. Eine gute Mitarbeiterbindung hingegen erhöht die Produktivität, trägt zu einem guten Betriebsklima bei und verbessert den Ruf des Unternehmens als Arbeitgeber.

Die verschiedenen Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung greifen dabei ineinander. Wichtig ist, dass sie im Austausch mit den Mitarbeitern etabliert werden. Denn ihre volle Wirkung entfalten sie nur, wenn sie auch die Bedürfnisse der Arbeitnehmer treffen. Der Blick auf die Strategien anderer Unternehmen kann dabei einige nützliche Einblicke bieten.


Quellen:

  1. Nink, Marco: Engagement Index Deutschland 2016. Pressegespräch, Berlin: Gallup, Inc. 2017, S. 18 ↩︎
  2. Boushey, Heather & Glynn, Sarah Jane: There Are Significant Business Costs to Replacing Employees, Washington: Center for American Progress 2012, S. 6ff ↩︎
  3. Puckett, Jena: Study: Do Perks Matter for Employee Retention?, Nashville: TechnologyAdvice 2015 ↩︎
  4. O’Boyle, Ernest & Aguinis, Herman: The Best and the Rest: Revisiting the Norm of Normality of Individual Performance, in Personnel Psychology 1 (2012), S. 79 – 119 ↩︎
  5. Solnet, David et al.: Generation Y Employees: An Examination of Work Attitude Differences, in The Journal of Applied Management and Entrepreneurship 3 (2012), S. 36 -54 ↩︎

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